Anlässlich des 74. Gedenkens an die Opfer der Reichspogromnacht

via Autonome Antifa-Gruppe Weimar

Wir, AntifaschistInnen aus Weimar meinen, dass nur wenige Tage in der Geschichte so eng mit dem Nationalsozialismus und damit mit dem Antisemitismus verknüpft sind, wie die Reichspogromnacht. Der Versuch Adolf Hitlers und seiner Gesinnungsgenossen im November 1923 mit dem Marsch auf die Münchner Feldherrnhalle die „nationale Revolution“ vom Zaun zu brechen, endete zwar als größenwahnsinnige Farce, doch schon wenige Jahre später wurde der Traum der nationalsozialistischen „Revolutionäre“ Wirklichkeit. Am 9. November 1938 wurde ihre mörderische Ideologie in einem bisher unbekannten Maße praktisch. In der Nacht vom 9.11. auf den 10.11.1938 wurden in Nazideutschland hunderte Synagogen abgebrannt, jüdische Geschäfte zerstört und tausende von Juden in Konzentrationslager verschleppt. Die deutsche Bevölkerung sah diesem grausamen Treiben größtenteils widerstandslos zu. Viele beteiligten sich aktiv an dem Geschehen oder sahen weg, schließlich begann nun damit genau das in konsequenter Form umgesetzt zu werden, wofür man die NSDAP, die sich stets durch einen kompromisslosen und auf Vernichtung zielenden Antisemitismus profilierte, gewählt hatte. Dass große Teile der deutschen Bevölkerung diesen wahrhaften Antisemitismus teilten, dieser daher alles andere als eine Verrücktheit einer bedeutungslosen Minderheit, oder ein Manipulationsmittel der „herrschenden Klassen“, sondern oberster Zweck und Wesen des Nationalsozialismus war, darf beim Erinnern an die Opfer der Shoah nicht vergessen werden. Am heutigen Tag gilt es, die Erinnerung an die Opfer der deutschen Volksgemeinschaft aufrecht zu erhalten, um einem Vergessen dieser historisch einmaligen Gräueltaten entgegen zu wirken. Ebenso wichtig ist es aber, sich dafür einzusetzen, dass ähnliches sich nicht wiederhole, dass Antisemiten nicht nochmals die Möglichkeit erhalten, die von ihnen ersehnte Vernichtung aller Jüdinnen und Juden umzusetzen. Einzig der Staat Israel kann Juden heute einen gewissen Schutz vor einem globalisierten Antisemitismus bieten. Die Konsequenz aus dem in der Geschichte der Menschheit bisher einmaligen Zivilisationsbruchs der Shoah und dem Fortdauern ihrer Grundlage, der antisemitischen Ideologie ist für uns daher eine bedingungslose Solidarität mit allen Juden und Jüdinnen.

Gegen jeden Antisemitismus